Geschichtslos ist Gesichtslos...
Vorwort von Bgm. Wolfgang Haderer
...schrieb einst ein weiser Mann nicht umsonst. Wurde doch das Gesicht unserer Gemeinde von den Generationen geprägt, die das Land urbar machten und bestellten und so die Basis dafür legten, was heute unsrere Gemeinde ausmacht.
Im folgenden Abriss unserer Geschichte möchten wir Ihnen die historische Entwicklung der Gemeinde Puchenau vom frühen Tauschobjekt zu einem bedeutenden Lebensraum mit bester Wohnqualität aufzeigen. Ein besonderer Dank gilt allen, die an der Erforschung unserer Geschichte mitwirkten oder uns Bilder für die Dokumentation zur Verfügung stellten.
Unsere Aufgabe ist jedoch nicht die Verehrung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers. In diesem Sinn lade ich möglichst viele Gemeindebürgerinnen und -bürger ein, die Zukunft unseres Lebensraumes auch weiterhin aktiv zu gestalten.
Puchenau historisch betrachtet ...
von Vbgm. Günther Achleitner, Bakk. phil.
Im siebten Jahrhundert nach Christus erreichten Siedler im Zuge der bayerischen Landnahme die Weitung des Puchenauer Donautales und nahmen die klimatisch begünstigten Landstufen in Besitz. Etwa hundert Jahre später kolonisierte ein slawischer Familienverband die höheren Schichten des heutigen Gemeindegebietes. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortsnamens Poachinauua fällt ins frühe neunte Jahrhundert und ist damit stolzes Zeugnis unserer 1200-jährigen Ortsgeschichte.
Das Entstehungsdatum dieser Urkunde wurde mit 807/808 - also in der Zeit Karls des Großen - erschlossen und beinhaltet Aufzeichnungen über den Tausch von Puchenauer Besitzungen des Klosters Moosburg mit dem Bistum Freising. Am 21. August 827 werden in der Niederschrift einer Schlichtungsversammlung anlässlich eines Grenzstreites ... favas III virentes ... – drei kräftige (grünende) Buchen als Grenzmale festgesetzt.
Mehr als tausend Jahre später haben diese Buchen als prägende Symbole in das Gemeindewappen unseres Ortes Eingang gefunden. Sehr geehrte Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürger, ich lade Sie ein: Folgen Sie mir auf dem spannenden Streifzug durch 1200 Jahre Puchenau!
Im Auftrag von Bischof Hitto sammelte der Mönch Kozroh Abschriften von Verträgen und Abmachungen und schuf damit jene Dokumentensammlung, die bis heute sehr umfangreich Zeugnis über unsere Wurzeln gibt. In der Urkunde von 807/808 ist der althochdeutsche Ortsname Poachinauua in den lateinischen Text des Schriftstückes verwoben:
...in loco nuncupante Poachinauua ...
... an dem Ort, der Poachinauua heißt ...
Mittelalterliche Geschichtssplitter
Im Jahr 1100 n.Chr. wird von einer dem Hl. Andreas geweihten Kirche in Puchenau berichtet, 1414 wird diese erneuert. Ebenfalls um 1400 ist ein Fischerhaus am Klingberg belegt. 1625 gestattete Ferdinand II die Einverleibung der Pfarre Puchenau in das Kloster Wilhering. 40 Jahre später erwarb das Mühlviertler Rittergeschlecht Christoph Ernst von Schallenberg Teile des Kirchengutes und gründete die Herrschaft Puchenau. Schallenberg begann mit dem Bau von Schloss Puchenau, musste aber seine Güter aus finanziellen Gründen vor Fertigstellung 1693 an Augustin Freiherr von Erhart aus Landshut verkaufen. Erhart bemühte sich um die Ausgestaltung und Vollendung des Schlossbaus und erreichte 1695 die Erhebung zum adeligen Landgut durch Kaiser Leopold I. Durch die Hochzeit der einzigen Tochter gelangte die Herrschaft Puchenau im Jahr 1706 an Maximilian Ehrgott Graf von Kuefstein.
Dieser lies das Schloss als eigenen Wirtschaftskörper bestehen. 1720 wird ein Ziegelofen im Zusammenhang mit dem Bau des Deutschordenhauses in Linz erwähnt. 1728 braut der Braumeister Adolf Heinrich Schönböck in Puchenau 800 Eimer Bier. Während des Österreichischen Erbfolgekrieges diente das Schloss als Lazarett und wurde nach 1748 als Militärspital genutzt. 1795 erzeugte Braumeister Johann Georg Krawinkler in der Schlosstaverne Puchenau bereits 2082 Eimer Bier. 1832 begann Erzherzog Maximilian von Österreich-Este mit dem Bau einer Befestigungsanlage, um Linz in eine Donaufestung zu verwandeln. 20 Jahre später wurde diese Festung, ohne je eine kriegerische Handlung erlebt zu haben, aufgelassen.
Der Weg zur Selbstständigkeit
Die revolutionäre Bewegung des Jahres 1848 in Österreich beeinflusste das Verfassungsgefüge des Staates nachhaltig. Die Verwaltungsorganisation auf der untersten Ebene wurde durch das 1849 erlassene „Provisorische Gemeindegesetz“ neu geregelt, dessen Präambel lautete: „Die Grundfeste des freien Staates ist die freie Gemeinde.“ Im Kronland Österreich ob der Enns, wie Oberösterreich in der Monarchie offiziell hieß, wurden 564 Ortsgemeinden gebildet. Die Steuergemeinde Puchenau mit den Ortschaften Oberpuchenau, Puchenau, Unterpuchenau, Großamberg und Pöstlingberg wurde Teil der politischen Ortsgemeinde Ottensheim. Bald traten jedoch die unterschiedlichen Interessen des Marktes Ottensheim und der bäuerlichen Katastralgemeinde Puchenau deutlich zu Tage.
Im Jahre 1863 richteten Puchenauer Vertreter deshalb erstmals eine Petition an den Landtag, in dem sie die Abtrennung von Ottensheim und die Errichtung einer eigenen Ortsgemeinde Puchenau erbaten. Knappe 30 Jahre dauerte es, bis der oberösterreichische Landtag die Selbstständigkeit Puchenaus per Landesgesetz sanktionierte. Am 18. Mai 1893 konnte mit der Wahl von Simon Kneidinger als 1. Puchenauer Bürgermeister die eigenständige Gemeinde offiziell konstituiert werden.
Die junge Gemeinde Puchenau
Trotz Stadtnähe war Puchenau vorerst landwirtschaftlich orientiert. Eine Straße und die Mühlkreisbahn durchzogen das weitläufige Gemeindegebiet, das seit jeher keinen richtigen Ortskern besaß.
Die „Krumauer Bundesstraße”, wie der Verkehrsweg genannt wurde, war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine schmale Landstraße, die erst 1937 „staubfrei“ gemacht wurde. Fußgänger, die an den Wochenenden die ländliche Atmosphäre Puchenaus schätzten, aber auch Rossfuhrwerke fahrender Händler, Fahrräder und ganz selten Automobile frequentierten die Verbindung.
Kleingewerbe und Gastronomie
In und um Puchenau gab es im 19. Jahrhundert mehrere Mühlen. In der „Häusermühle” am aufgestauten Hammerbach wurde bis in die Zwischenkriegszeit gemahlen und auch Brot gebacken. Weitere Hausmühlen am Klingbach und Achleitner- bzw. Sagbach stellen ihren Betrieb vor oder um die Jahrhundertwende ein. An traditionellen Kleingewerben waren in Puchenau unter anderem das Schuster- und Schneiderhandwerk vertreten. Eine Schmiede ist in Puchenau seit dem 17. Jahrhundert belegt. Sie existierte bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts in unmittelbarer Nähe des Hammerbaches und wurde schließlich zu einem gutbürgerlichen Gasthaus erweitert. Der Name „Zur Hammerschmiede” verwies auf den ehemaligen Betrieb.
Bis in die späten 1950er Jahre wurde im Westen des Gemeindegebietes ein Steinbruch betrieben, der unter anderem Baumaterial für die Christkönigkirche in Urfahr lieferte. Die vorwiegend als „Schlafgänger” untergebrachten Handwerker, immerhin bis zu zwanzig in der Blütezeit, erlangten für die Puchenauer Bevölkerung gar meteorologische Bedeutung, da bei bevorstehendem unbeständigem Westwetter ihr Klopfen auch in relativ weit entfernten Regionen zu vernehmen war. „Die Steinmetze klopfen, also steht uns schlechtes Wetter bevor”, war ein geflügeltes Wort der Ortsbewohner.
Von den vielen Gasthöfen, die noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts florierten und sowohl von Einheimischen als auch von Fremden gerne frequentiert wurden, hat sich keiner mehr erhalten. Der ehemals äußerst beliebte Ausflugsgasthof „Zur Koglerau”, von wo man den prächtigen Ausblick bis hin zu den Alpen genoss, wurde schließlich als Wohnhaus umgebaut. Das an der östlichen Ortseinfahrt errichtete Gasthaus „Probst”, oder „Zum grünen Wald”, erlebte in der Zwischenkriegszeit enormen Aufschwung, wurde jedoch in den Wirren des zweiten Weltkrieges geschlossen und nicht wieder eröffnet. Bis zum 17. Jahrhundert zurückzuverfolgen ist das Gasthaus „Zur Puchenau”, besser bekannt als „Breuer”. Gelegen unterhalb des Schlosses neben den Schienensträngen der Mühlkreisbahn, war es lange Zeit Zentrum gesellschaftlicher Veranstaltungen, bis es in den siebziger Jahren dem Straßenausbau weichen musste. Das von einem imposanten Granitrahmen umfasste Eingangstor des zum Gasthof gehörenden Lagerkellers nördlich der Straße erinnert heute noch an diese bedeutende gastronomische Einrichtung. Vor etwa 20 Jahren ereilte ein weiteres der alteingesessenen Wirtshäuser der wirtschaftliche Tod. Mit der beliebten „Schießstätte” verbindet mancher Gemeindebürger noch Erinnerungen an heitere Stunden, die er im schönen Gastgarten oder im „neuen Salon”, einer Dependance des Gasthauses im Verlauf einer durchtanzten Nacht verbrachte. Als letztes der „alteingesessenen“ Wirtshäuser schloss vor einigen Jahren die „Hammerschmiede“ für immer ihre Pforten.
Schrecken der Kriege
Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 folgten alle wehrfähigen Männer aus Puchenau der Pflicht, einzurücken. Lebensmittelrationierungen setzten ein und Kirchenglocken sowie die Zinnpfeifen der Orgel mussten abgeliefert werden. 22 Puchenauer kehrten aus diesem Krieg nicht mehr heim. Nach den Wirren der wirtschaftlich schwierigen Zwischenkriegszeit gab es im Jahr 1938 in der Puchenauer Bevölkerung wie beinahe überall eine 100% Zustimmung zum Anschluss an Deutschland.
Ortsentwicklung ab 1938
Hatte das Vorgehen des menschenverachtenden nationalsozialistischen Regimes gegen Andersdenkende und Minderheiten im Land bereits viele Menschen ihrer Illusion beraubt, so brachte der 1939 beginnende zweite Weltkrieg nach ersten militärischen Erfolgen schließlich Not, Tod, Angst und Verzweiflung ins eigene Land zurück. Die Umstellung auf Kriegswirtschaft begann man auch im Inneren des „Reiches“ sehr bald zu verspüren. Ab 1942 erfassten die Leiden des Krieges die Bevölkerung unseres Ortes schließlich direkt. Durch die Nähe zur besonders durch Fliegerangriffe gefährdeten Industriestadt Linz war die Lage auch für Puchenau kritisch. Neben 171 Bombentrichtern, Zerstörungen und zivilen Todesopfern durch alliierte Angriffe hatte die kleine Gemeinde Puchenau 29 gefallene und 13 vermisste Soldaten zu beklagen.
Nach dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Herrschaft im Mai 1945 zog ein gewaltiger Strom heimkehrender Kriegsgefangener, Befreiter aus den Konzentrationslagern und ausländischer Zwangsarbeiter durch Puchenau. Amerikanische Truppen waren inzwischen im Ort eingerückt. Das Bootshaus des RV Wiking wurde zu einem Verpflegungsmagazin mit Ausweichbäckerei eines Linzer Großbetriebes umfunktioniert. Wenige Monate später, als die Siegermächte die Besatzungszonen in Österreich festgelegt hatten, machten die Amerikaner russischen Verbänden Platz. Diese errichteten im Bootshaus ihr Hauptquartier. Die Unsicherheit der Einwohner war – besonders in der ersten Zeit der Besatzung – groß. Die neu aufgebaute Gemeindeverwaltung und die Bevölkerung kämpften mit einer schlechten Versorgungssituation und dem Mangel an Finanzmitteln, bewältigten jedoch die vielen anstehenden Aufgaben des Wiederaufbaus mit Energie, Organisationstalent und Verhandlungsgeschick.
Zur Zeit der ersten Volkszählung in Österreich im Jahre 1869 lebten auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Puchenau 434 Einwohner. 1951 war die Bevölkerungszahl auf 834 Gemeindebürger angewachsen. Nach dem Staatsvertrag im Jahre 1955 setzte im Mühlviertel rege Bau- und Investitionstätigkeit ein, die der Gemeinde, nicht zuletzt durch ihre günstige Lage am Stadtrand, ungeahnten Aufschwung bescherte. Damit ging auch eine grundlegende Veränderung der Struktur der Wohnbevölkerung einher: Puchenau vollzog den Wandel von der ländlich orientierten Agrar- hin zur urban orientierten Stadtrandgemeinde. Dieser strukturelle Wechsel gipfelte ab den sechziger Jahren im Bau der beiden national und international bekannt gewordenen „Gartenstädte“ entlang der Donau nach Plänen von Prof. Dr. Roland Rainer.
Die rege Bautätigkeit verlangte nach entsprechender Ver- und Entsorgung. Als Beispiele seien die Errichtung einer flächendeckenden Kanalisation, die Einrichtung einer koordinierten Entsorgung des Hausabfalls, der Bau einer öffentlichen Wasser- und Ferngasversorgung sowie die Realisierung eines modernen und zweckmäßigen Bauhofes samt angegliederten Abfallsammelzentrums genannt.
Große Bemühungen gingen naturgemäß dahin, die örtliche Infrastruktur mit den steigenden Einwohnerzahlen Schritt halten zu lassen. Dem Caritaskindergarten der Pfarre im 1976 eröffneten neuen Pfarrzentrum folgte alsbald ein Gemeindekindergarten. Auf Grund stark steigender Schülerzahlen waren Volks- und Hauptschulneubauten dringend notwendig geworden. Das Puchenauer Schulzentrum wurde nach dem großen Turnsaalbrand im Jahr 2000 grundlegend saniert und um moderne Horträumlichkeiten erweitert. Im Jahre 1974 begründete die Gemeinde eine eigene Musikschule, die seit 1978 als Landesmusikschule geführt wird. Vereins- und Gemeindesportanlagen bereichern das Freizeitangebot des Ortes. Mit dem Bau des Mehrzweckgebäudes zwischen Gartenstadt I und Gartenstadt II erhielten Feuerwehr, Musikverein und Gendarmerie/Polizei neue Heimstätten und die Eröffnung des Postamtes Puchenau sowie der Apotheke erfüllten lange gehegte Wünsche der Bewohner. Das Musikschul- und Veranstaltungszentrum wurde 1992 bis 1993 anstelle des alten Volks- und späteren Musikschulgebäudes errichtet und beherbergt die Landesmusikschule, den Gemeindekindergarten, das Kindernest, das Jugendzentrum sowie den repräsentativen, mehr als 300 Besucher fassenden „Buchensaal“. Das revitalisierte Puchenauer Schloss, in dem die Trauungen des örtlichen Standesamtes abgehalten werden, bietet einen schönen Rahmen für Kulturveranstaltungen. Das bislang letzte große Hochbauvorhaben im kommunalen Umfeld stellt das seniorengerechte Wohnhaus dar, das seit 2003 auch die moderne und bestens ausgestattete Gemeindebücherei sowie den multifunktionellen und gerne genutzten „Seniorentreff“ beherbergt.
Einen schweren und kaum mehr reparablen Eingriff in das Ortsbild stellt der großzügige Ausbau der Rohrbacher Bundesstraße in den Jahren 1976 bis 1980 dar. Die Verkehrsader des oberen Mühlviertels durchschneidet den Ort sichtbar und schmerzlich in zwei Teile, so dass nicht selten von Puchenau nördlich beziehungsweise südlich der Bundesstraße gesprochen wird. Brennende Anliegen der Gemeindepolitik in Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung - heute ein moderner Dienstleistungsbetrieb mit knapp 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern - sind daher das Drängen auf eine Einbeziehung Puchenaus in das neue überregionale Verkehrskonzept im Zuge der Errichtung weiterer Verkehrswege (Donaubrücke, Westring und Nordumfahrung). Eine Verkehrslösung für unseren Ort - etwa durch Untertunnelung oder Unterflurlegung der Bundesstraße im Puchenauer Gemeindegebiet - sowie die Errichtung und Gestaltung eines kommunikativen Nahversorgungsbereiches mit entsprechender Infrastruktur und Zentrumscharakter, sind entscheidende Projekte, um die Vision von einem lebens- und wohnenswerten Puchenau aufrecht zu erhalten und zu intensivieren.
Unser heute an die 5.000 Einwohner zählender Ort setzt als Europagemeinde ein sichtbares Zeichen für ein einiges, tolerantes und freies Europa. Einen besonderen Beitrag dazu leisten immer wieder unsere Vereine, die sozialen Kontakt quer durch die Generationen ermöglichen und organisieren.
Als Mitglied des globalen „Klimabündnisses“ ist sich Puchenau seiner Aufgabe als Miterhalter einer intakten Umwelt bewusst, damit die im Gemeindewappen stilisiert dargestellten grün und rot leuchtenden Kronen dreier Buchen und das blaue Wasser der das Gemeindegebiet begleitenden Donau auch kommenden Generationen als unversehrtes Erbe weitergereicht werden können.














